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Finanz- und Wirtschaftskrise vor Ort

Veröffentlicht am 12.07.2009 in Ortsverein

Bürgertreff des SPD-Ortsvereins Gangkofen zur aktuellen Wirtschaftslage

Vorsitzende Claudia Brunnmeier-Müller begrüßte den Referenten Leonhard Kapser als stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Rottal-Inn, die Herren Robert Wimmer, Marktgebietsleiter von Gangkofen, und Reinhard Lehner, Geschäftsstellenleiter der hiesigen Sparkasse, MdL Bernhard Roos (SPD) aus Passau und die dritte Bürgermeisterin aus Eggenfelden, Johanna Leipold, Mag. Barbara Solf-Leipold und die Frisörmeisterin Claudia Laubenbacher. Sie bedauerte, dass Bürgermeister Mandl aus gesundheitlichen Gründen verhindert und keiner der 20 eingeladenen Markträte anwesend war.

MdL Bernhard Roos beglückwünschte in seinem Grußwort die regionale Veranstaltung zu diesem Thema und lobte das dreigliedrige Bankensystem, in dem die Sparkassen und Genossenschaftsbanken sich in finanzkritischen Zeiten als wichtige Stütze der Wirtschaft beweisen. Von einer Fusion der Sparkassen, wie von F. X. Kirschner angedacht, hält er nichts und verwies in diesem Zusammenhang auf die Bayerische Landesbank, für die der Steuerzahler bereits 10 Mio. Euro aufgebracht hat. Durch die Verlagerung in einen Nachtragshaushalt entstünde das trügerische Bild eines ausgeglichenen bayerischen Staatshaushalts. Er bedauerte, dass auch unter Ministerpräsident Seehofer keine Veränderung der strategischen Ausrichtung erkennbar ist.

Leonhard Kapser leitete sein Referat ein mit dem launigen Verweis auf „die Mutter aller Bankenkrisen“, Adele Spitzeder, die in München 1869 eine Privatbank gegründet und auf Einlagen 10 % Zinsen im Monat versprochen hatte. Durch ihren aufwendigen Lebensstil beliefen sich die Schulden der Bank im Jahre 1872 auf 8 Mio. Gulden – viele Bürger verloren ihre gesamten Ersparnisse. Dieses Geschäftsmodell habe mit innovativen Finanzprodukten auch heute noch Erfolg, mit dem Unterschied, dass es damals mit Zuchthaus bestraft wurde, während es jetzt Schutzschirme für Banken gibt. Ohne diese Rettungsmaßnahme würde jedoch die Altersvorsorge von Millionen Menschen vernichtet, wie im Falle HypoRealEstate-Bank. Anschaulich stellte er dar, wie es zur jetzigen weltweiten Finanzkrise kam, die Ende 2007 auch Deutschland erreichte. Laut Kapser haben Sparkassen und Genossenschaftsbanken sich in dieser Situation als „Felsen in der Brandung“ erwiesen; durch die staatlich vorgeschriebene Grundsicherung sind 90 % der Einlagen von Privat, Gewerbe und institutionellen Einrichtungen abgesichert. Nach der Beantwortung von am häufigsten gestellten Fragen an die Sparkasse sicherte Kapser zu, dass die Sparkasse Rottal-Inn trotz Abschreibungen wegen Beteiligung an der BLB in Höhe von 5,4 Mio. Euro grundsolide aufgestellt und damit kerngesund sei, sich keine Nachteile für Kunden und Mitarbeiter ergäben.

Positiv sieht Claudia Laubenbacher die derzeitige Situation beim Friseurhandwerk. Sie verzeichnet bislang keinen Umsatzrückgang, durch den Ausbau ihres Services will sie jedoch schon im Vorfeld gegensteuern.

Mit ihren Beobachtungen aus sozialwissenschaftlicher Perspektive beleuchtete Mag. Solf-Leipold aus Landshut Entstehung und Auswirkungen der Finanzkrise auf die Gesellschaft. Sie setzte den Anfang in die 70-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit der optimistischen Stimmung eines deregulierten Finanzmarktes, einer Zeit des Wirtschaftswachstums und der Konsolidierung durch den Staat, verändert durch den Zusammenbruch des Kommunismus, den Wegbruch der Teilung Deutschlands mit den dadurch gemehrten Hoffnungen auf gesteigerte positive Entwicklung. Das westliche System, Werte und Normen wurden unreflektiert übertragen. In der Folge gewann die internationale Wirtschaft das Primat über die Politik. Solf-Leipold hinterfragte, wie es überhaupt möglich war, dass für Banken der Markt durch Kredite, die letztendlich zu einer Suprime-Krise geführt hatten, so lukrativ schien. Die Antwort fand sie im Bedürfnis der Menschen in der unteren Mittelschicht nach Leben und Wohnen in geordneten Verhältnissen in einer Infrastruktur, die den Rahmen für die Zukunft der eigenen Kinder bot. Mit dem Einbruch des Immobilienmarktes in Amerika und den weltweiten Folgen daraus ergab sich ein schneller Abstieg der Mittelschicht. Die durch Hilfsmaßnahmen entstandene Staatsverschuldung hätten weitere Generationen zu tragen. Solf-Leipold beantwortete die Frage nach der künftigen Entwicklung in unserer Gesellschaft mit einem Zitat von Gesine Schwan, der Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, mit dem Inhalt, diese Wirtschaftskrise als Chance für die Entwicklung einer Kultur der Gemeinsamkeit zu sehen.

Zu später Stunde bedankte sich Claudia Brunnmeier-Müller für die Beiträge zur lebhaften Diskussion mit innovativen Denkansätzen und stellte eine Fortführung von interessanten Veranstaltungen auf der Plattform des Bürgertreffs der SPD in Aussicht.



2009-04-16 | Bürgertreff des SPD-OV Gangkofen

OV-Vorsitzende Claudia Brunnmeier-Müller (2.v.l.) und MdL Bernhard Rooss (SPD, Mitte) mit ReferentInnen zum Thema Finanz- und Wirtschaftskrise vor Ort.


 

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